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Einen Ehevertrag mit indonesischen Ehegatten: Ja oder Nein?

13 Jun

In der Regel sind die Indonesier bezüglich diesem Thema relativ konservativ. Sie fühlen sich, als ob Beide gleich vor einem schönen Ereignis wie Hochzeit bereits an einer schreckliche Sache wie Scheidung denken. Einige glauben sogar, es würde ein Unglück einladen. Außerdem würde sich möglicherweise ein/eine indonesische Ehegatte/Ehegattin fühlen, als ob er/sie eine materialistische Person wäre.
Aber seit das Internet so verbreitet ist, haben viele Indonesier endlich erkannt, wie wichtig so ein Vertrag für sie als Ehegatten eines nicht-indonesisches Bürgers sein könnte. Der Grund dafür wurde viel in den soziale Medien diskutiert sowie in vielen Blogs berichtet. Leider sind manche Berichte nicht gut genug geschrieben, dass viele Leser nicht alles korrekt verstehen. Mit „gut“ hier meine ich, dass entweder die Beiträge nicht immer alle relevante Information beinhalten oder sie tendieren nur die bevorzugte Auswahl der Autoren zu betönen und die andere Argumente nicht miteinzubeziehen. Es ist natürlich nicht so toll, weil es um ein Gesetz geht. Ich sehe oft in den Diskussionen, dass viele Indonesier Entscheidungen trafen, ohne dass sie alles wirklich verstanden haben. Danach zu bereuen ist leider zu spät und die damalige falsche Entscheidung ist eventuell mit einem großen finanziellen Verlust verbunden. Es gibt sicher noch Korrekturmaßnahmen dafür, aber sie sind relativ kompliziert und teilweise nicht ganz legal.

Also… dass die Ausländer in Indonesien vom Erwerb eines Grundstückes ausgeschlossen sind, ist ja schon seit langem bekannt. Auch der Erwerb eines Wohnungseigentums ist zeitlich begrenzt und nicht ohne Begrenzung verlängerbar. Leider waren viele Indonesier nicht bewusst, dass auch ihr rechtlicher Anspruch auf Grundstückseigentum wegen der Eheschließung mit einem Ausländer zum Teils verloren gegangen ist. Warum?
Weil es nach einer Eheschließung kein Eigenvermögen mehr gibt, sondern heißt alles gemeinsame Vermögen. Deshalb wird das Grundbesitz nach einem Jahr zu einem Pachtbesitz umgewandelt. Die Wert des Vermögens wird natürlich entsprechend sinken. Das Gesetzt sagt: Falls ein/eine Ausländer-in einen Grundbesitz von seiner/ihrer Ehegatte-in geerbt bzw. wegen einer Trennung bekommt, hat er ein Jahr Zeit um den Besitz an einem Indonesier zu übertragen (durch Schenkung oder Verkauf), ansonsten wird der Grundbesitz zum Pachtbesitz umgewandelt.
Der Status „Pachtbesitz“ kann theoretisch irgendwann wieder zum „Grundbesitz“ mit bestimmter Gebühr von einem indonesischen Erwerber umgewandelt werden, weil das Grundstück ursprünglich ein Privatbesitz von dem Bürger und kein Staatsbesitz war.
Deshalb kann man mit etwas Glück mit dem Käufer ein Abkommen vereinbaren, falls man erst nach einem Jahr den Grundbesitz verkaufen will. Damit man keinen bzw. weniger Wertverlust bekommt.
Aber dieser komplizierte Situation kann durch einen Ehevertrag mit Gütertrennung vermieden werden, der ausschließlich vor der Hochzeit abgeschlossen werden muss. Ein „Postnuptial Agreement“ ist vor indonesischem Gericht nicht immer anerkannt. Viele Indonesier wollten dann unbedingt einen Ehevertrag mit ihrem ausländischen Partner abschließen, nur weil andere Leute es gemacht haben oder weil sie direkt Panik gekriegt haben. Sie haben Angst, dass sie kein Grundstücksbesitz mehr in Indonesien erwerben können oder dass die indonesische Regierung ihren Besitz direkt beschlagnahmen würde.
Dieser Angst kam, weil die Berichte oft nicht wie oben dargestellt worden sind.
Außerdem wird es oft nicht erklärt, dass alle erworbene Grundbesitze vor der Eheschließung sowie alle von den Eltern geerbte Vermögen nicht betroffen sind.

Das Gesetzt lautet sinngemäß folgendes: „Wenn ein Ausländer ein Eigentumsrecht geerbt bzw. durch Zugewinnausgleich erworben hat, hat er ein Jahr Zeit es an Indonesier zu übertragen, sonst wird das Vermögen zum Staatseigentum.“
Das Wort „Staatseigentum“ und die unvollständige Berichte führen zu vielen Missverständnissen, sodass viele Indonesier sogar oft einen Ehevertrag kurzfristig vor der Hochzeit in Indonesien abgeschlossen, ohne dass sie und ihre Gatten überhaupt ausreichende Beratungsgespräche mit dem Notar gemacht haben.
Ja klar, der ausländische Gatte kommt wegen der kurzen Urlaubszeit ja meistens erst kurz vor der Eheschließung nach Indonesien, natürlich haben sie nicht genug Zeit zur benötigten Beratungsstunde bei dem Notar gemeinsam zu kommen. Solche wichtige Entscheidung so kurzfristig zu treffen ist wirklich nicht sinnvoll. Für die ausländische Partner ist es nicht schlimm, sogar sehr gut vielleicht im Falle einer Trennung in der Zukunft, weil er im Prinzip finanziell nicht bedroht wird :-D. Aus der Sicht der Indonesierin ist es nicht immer gut, da sie im schlimmsten Fall von dem Ehemann auch nach einem langen Eheleben mit gar Nichts bei einer Trennung raus geworfen werden könnte. Ein Ehevertrag ist vielleicht für die nicht-indonesische Bürger nur schlecht, wenn die/der indonesische Frau/Mann zufällig sehr reich ist ^_^.

Ein Ehevertrag ist abgesehen von dem oben genannten Paragraf sinnvoll, wenn es sehr große finanzielle Unterschiede zwischen den Ehegatten gibt, oder wenn wenigstens eine von dem Ehegatte eine Firma besitzt. Mit einer Gütertrennung wird im Falle einer Insolvenz nur das Vermögen des Firmenbesitzers zur Haftung herangezogen werden. Das Familienvermögen unter den Namen des Ehegatten ist sicher. Die Familie wird wenigstens nicht obdachlos. Eine gute Freundin von mir hatte früher sowas erlebt. Ihrer Mann ist pleite gegangen, aber er hatte früher zum Gluck das Familienhaus; Auto und alle Privatvermögen immer unter den Namen seiner Frau gekauft und sie sind mit Gütertrennung verheiratet sodass diese Vermögen nicht von dem Gerichtsvollzieher beschlagnahmt worden sind. Ihre finanzielle Situation hat sich wieder verbessert nach ein paar Jahren.
Außerdem ist solche Entscheidung noch sinnvoll, wenn das Paar plant in Indonesien zu leben sodass der Erwerb eines Grundstückseigentum dort in Frage kommen kann. Einige Paaren, die plötzlich nach Indonesien auswandern, haben oft ein Haus unter den Namen eines indonesischen Familienmitglied oder Freund gekauft. Danach schließen sie zusätzlich einen Kreditvertrag mit dem „Grundstücksbesitzer“ ab, dessen Summe genauso viel wie der Wert des Grundstückes (das Haus ist im Prinzip von dem „fake“ Besitzer an den eigentlichen Besitzer „verpachtet“ worden). Solche Verträge versprechen keinerlei Sicherheit. Bei einem Streitfall vor Gericht wird meistens der „fake“ Besitzer trotz allem gewinnen, weil solche Verträge eigentlich nicht ganz legal ist.

Egal welche Entscheidung man trifft, ob mit oder ohne Ehevertrag zu heiraten, bitte lass euch von einem Anwalt/Notar ausreichend beraten. Schließe niemals einen Ehevertrag in Indonesien ab, ohne genügend Beratungsstünde durchzuführen. Warum schreibe ich überhaupt darüber? Weil es im Moment viele indonesische Frauen gibt, die wegen der zahlreichen Berichten über Eheverträge und Eigentumsrecht bei einer binationalen Ehe hartnäckig versuchen, ihren ausländischen Partner zur Abschließung eines Ehevertrags zu überreden. Und interessanterweise haben viele von denen einen Erfolg mit dem Versuch, auch wenn der ausländischen Partner praktisch nur den Notar besuchen kann,  um den Vertrag zu unterschreiben 😅.

 

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2 Kommentare

Verfasst von - Juni 13, 2016 in Deutsch, Kultur & Gesellschaft

 

2 Antworten zu “Einen Ehevertrag mit indonesischen Ehegatten: Ja oder Nein?

  1. Franz

    September 25, 2017 at 9:17 am

    Hallo,

    sehr interresanter Artikel den du hier gepostet hast. Ich würde gerne wissen ob es auch möglich ist einen solchen Vertrag in Deutschland abzuschließen und dieser auch so in Indonesien anerkannt wird.

    Danke für die Infos.

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    • Kobold

      September 25, 2017 at 11:55 pm

      Leider gibt es keine pauschale Antwort dafür. Es gibt Dinge, die nach deutschem Gesetz legal ist, ist in Indonesien leider nicht erlaubt,oder umgekehrt. Aus diesem Grund ist allgemein gesehen nur ein in Indonesien vor einem Notar gemachter Vertrag immer durchsetzungsfähig.
      Eine gute Freundin von mir hat aber in Deutschland geheiratet und deshalb ihren Ehevertrag auch in Deutschland gemacht. Sie hatte mit Hilfe dem Vertrag bereits ein Haus in Bali ein paar Jahren nach der Hochzeit erworbe. Ihre Ehevertrag wurde also in Indonesien anerkannt.
      Eine Bemerkung ist aber, dass der Notar im internationalen Gesetz spesialisiert ist und vorher mit dem Ehepaar extra die relevanten Paragraphen in Indonesien studiert. Der Vertrag wurde auf indonesisch übersetzt und danach hat meine Freundin ihn bei der zuständigen Behörde registrieren lassen.
      Über die Details kann ich nicht viel erzählen, da ich selbst keinen Ehevertrag abgeschlossen habe.

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